Velotour 2015: Manchmal kommt es anders als man denkt

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Als wir am Donnerstag nach Eschborn zur Akkreditierung fahren, haben wir wie viele andere auch, von der Verhaftung eines verdächtigen Ehepaares in Oberursel gehört. Waffen, Munition, eine Rohrbombe, ein möglicherweise geplanter Anschlag – mit einer Rennabsage beschäftigt sich niemand. Uns interessiert sehr viel mehr das (Regen)Wetter und unseren eigenen Vorbereitungen. Die Stimmung bei der Ausgabe der Startunterlagen ist wie üblich und es herrscht geschäftiges Gewusel. Als wir gegen 19 Uhr wieder zurück sind, beginnen wir damit unsere Räder herzurichten. Bei einem wiederholten Aufruf der Wettervorhersage, fällt der Blick auf eine Meldung: Radrennen Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt abgesagt.

Velotour-Ffm-2015Das gibts doch nicht! Warum? Die Verdächtigen sind verhaftet, die Polizei hat die Strecke kontrolliert, das LKA und BKA ist eingeschaltet. Ungläubig nehmen wir zur Kenntnis, daß es offensichtlich Gründe geben muss, die nicht bekannt sind. Mir schiesst ein Zitat von Benjamin Franklin in den Kopf, der sinngemäß sagt, dass wer die Freiheit für vermeintliche Sicherheit aufgibt, beides nicht verdient hat, Freiheit und Sicherheit. Mir ist es lieber, solche Entscheidungen selbst zu treffen, als vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Ja einerseits hat mir die Rennabsage eine berufliche Option geschaffen – die es so vorher nicht gab, andererseits wäre ich schon gerne das Rennen gefahren. Wie wird sich der öffentliche Sport entwickeln, angesichts der latenten Möglichkeit einer Bedrohung? Wie wird sich die staatliche Kontrolle noch weiter in das private Leben drängen? Wie wichtig ist uns Freiheit in Bezug auf vermeintliche Sicherheit? Fragen, die jede/r für sich selbst beantworten muss.

Schade – für den Veranstalter, die Helfer, die Zuschauer und die Sportler – der 01. Mai ein traditioneller Radsporttag für Frankfurt, ist ausgefallen.

Wir schauen nach vorne. Rund um Köln am 14. Juni ist die nächste Rennstation – mit hoffentlich friedlichem Verlauf.

Die nächste geplante RTF ist die „Tour de Wiesbaden“ am kommenden Sonntag 10. Mai 2015.

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  1. Daß der Sport schon lange politisch ist, ist nun wahrlich nichts Neues. Daß „politisch“ allerdings mittlerweile mindestens zum zweiten Mal im Rahmen einer Großveranstaltung die Konnotation „terroristisch“ zugeordnet bekommen muß (nach dem Anschlag auf den Boston Marathon), ist nicht nur bedauerlich, sondern auch höchstlich bedenklich.

    Die „Jetzt-erst-recht“-Tour in allen Ehren … aber es mag ein Zeichen sein, wenn man ein abgesagtes Rennen als Tour fährt, so man sich weitgehend darauf verlassen kann, daß die Gefahr für Leib und Leben von den Polizeikräften eliminiert wurde (auch wenn sich mir das „Heroische“ nicht erschließt, das allenthalben dieser Form von Protest, der ja nun recht „billig“ zu haben war, nicht erschließt).

    Wie gehen wir als Sportler (jede/r für sich wie auch als Sportgemeinschaft) in Zukunft mit der latenten Gefahr um, die man offenbar mittlerweile als zumindest möglich, wenn auch vielleicht nicht wahrscheinlich wird einkalkulieren müssen?

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